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Kommentar

Amazon macht es sich zu einfach

Seit Jahren ringt die Gewerkschaft Verdi um einen Tarifvertrag bei Amazon.

Seit Jahren ringt die Gewerkschaft Verdi um einen Tarifvertrag bei Amazon.

Hannover. Alle Jahre wieder ruft Verdi vor den Weihnachtsfeiertagen zu Streiks bei Amazon auf, alle Jahre wieder merken die Kunden nicht viel davon. Die Gewerkschaft beißt sich an dem Onlinehändler immer noch die Zähne aus. Amazon kommt hierzulande mühelos mit seiner Verweigerungshaltung durch. Mit seinen Argumenten macht der US-Konzern es sich allerdings zu einfach.

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Amazon sieht sich eher als Logistiker und argumentiert, dass das Unternehmen besser zahle als viele andere Firmen in diesem Bereich. Doch tatsächlich ist Amazon in erster Linie ein Händler. Das Unternehmen konkurriert schließlich mit anderen Onlinehändlern wie Otto und stationären Ketten wie Kaufhof und Karstadt. Die Tarifbindung im Handel ist zwar auf breiter Front gesunken – doch im Großen und Ganzen zahlt Amazon eher schlechter als seine Wettbewerber und verschafft sich dadurch einen Vorteil. Hinzu kommt, dass Amazon die Leistung seiner Angestellten relativ stark kontrolliert und ein hohes Tempo verlangt.

Trotzdem wäre es ein Weihnachtswunder, wenn Verdi es schaffen sollte, den Konzern an den Verhandlungstisch zu streiken. Das liegt nicht nur daran, dass die Gewerkschaft nur wenige Mitglieder in der Belegschaft hat. Sie hat hierzulande auch kaum prominente Unterstützung. Das zeigt der Vergleich mit anderen Ländern.

In den USA attackierte der linke Politiker Bernie Sanders den Konzern massiv. In England kritisierte sogar der Erzbischof von Canterbury die Amazon-Löhne mit deutlichen Worten. In beiden Ländern reagierte Amazon schnell auf den öffentlichen Druck und hob die Gehälter an.

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Von Christian Wölbert

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