Nach Urtel

Händler werden Diesel-Autos nicht mehr los

„Die stehen sich die Reifen platt, niemand wird sie haben wollen“, sagt Autoexperte Dudenhöffer über gebrauchte Diesel.

„Die stehen sich die Reifen platt, niemand wird sie haben wollen“, sagt Autoexperte Dudenhöffer über gebrauchte Diesel.

Hannover. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Fahrverboten beschleunigt nach Expertenmeinung den Wertverlust gebrauchter Diesel. Autobesitzer und Händler müssen mit empfindlichen Einbußen rechnen – selbst wenn es in ihren Regionen gar nicht zu Fahrverboten kommen sollte. „Ich kann mir Preisverluste von 10 bis 15 Prozent vorstellen. Die Unsicherheit ist da“, sagte Karl-Heinz Bley, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Niedersachsen-Bremen, am Donnerstag.

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„In den nächsten Wochen dürften die Preise für gebrauchte Diesel kräftig in den Keller gehen“, sagte auch der Duisburger Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Sein Experten-Kollege Stephan Bratzel erwartet ebenfalls, dass das Urteil den seit längerem anhaltenden Wertverlust beschleunigt.

Dudenhöffer bezweifelt sogar, dass Besitzer von Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 5 oder älter diese überhaupt noch loswerden. „Die stehen sich die Reifen platt, niemand wird sie haben wollen“, urteilte er. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen befürchtet das ebenfalls.

Laut dem „Dieselbarometer“ des Marktforschungsunternehmens Deutsche Automobil Treuhand (DAT) sinken die Preise für gebrauchte Diesel schon seit Längerem. Im Dezember 2017 kosteten drei Jahre alte Modelle im Schnitt noch 52,6 Prozent des Neulistenpreises – 3,4 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Der Restwert gebrauchter Benziner stieg im gleichen Zeitraum um 0,8 Prozentpunkte an.

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Die DAT-Daten zeigen auch, dass die Händler ihre Diesel trotz der niedrigen Preise immer schwerer loswerden. Die Autos stehen mittlerweile im Schnitt 102 Tage auf dem Hof, fünf Tage länger als vor einem Jahr. Bei Benzinern sind es nur 89 Tage. Nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes stehen insgesamt mehr als 300 000 Euro-5-Dieselautos auf den Höfen der Händler. Ihr Gesamtwert liege bei über 4,5 Milliarden Euro.

Experten zufolge könnte die Entwicklung viele Autohändler in die Insolvenz treiben. „Das ist katastrophal für die Kfz-Betriebe, die nichts dafür können“, sagte Kfz-Gewerbe-Präsident Bley. Dudenhöffer geht davon aus, dass die Autohersteller mit Subventionen für ihre Händler eingreifen. „Sonst fallen die um wie die Fliegen.“

Bereits im abgelaufenen Jahr traf die Verunsicherung das Kfz-Gewerbe, wie aus Zahlen des Wirtschaftsinformationsdienstleisters Creditreform hervorgeht: 2017 kam es zu 640 Insolvenzen in der Branche – ein Plus von 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bley forderte die Politik und die Autohersteller auf, nun gemeinsam für Nachrüstungen der alten Diesel zu sorgen, um Fahrverbote zu vermeiden und die Wertverluste zu stoppen. Es dürften nicht diejenigen bestraft werden, die sich für über 20.000 Euro ein Auto gekauft haben, das von Politik und Herstellern als einwandfrei bezeichnet wurde.

Aus seiner Sicht hätte das Leipziger Urteil sogar noch härter ausfallen können. „Die Richter haben betont, dass die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben muss“, sagte er. Er glaubt, dass sich Fahrverbote in Niedersachsen sogar noch gänzlich vermeiden lassen. Die Städte dürften nicht nur „die Autofahrer als Sündenböcke herauspicken“, sagte er. Zum Beispiel sei auch die Industrie für die Luftverschmutzung mitverantwortlich.

Von  Christian Wölbert und Thomas Strünkelnberg

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