Tourismusbranche

Handelskammer fordert neue Soforthilfen für Gastronomie und Tourismus

Mit leeren Liegestühlen haben Mitarbeiter von Reisebüros und Tourismusbetrieben in ganz Deutschland für mehr Finanzhilfen demonstriert.

Mit leeren Liegestühlen haben Mitarbeiter von Reisebüros und Tourismusbetrieben in ganz Deutschland für mehr Finanzhilfen demonstriert.

Hannover. Die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) fordert neue Hilfen für das Gastgewerbe und die Reisebranche, um die Folgen der Corona-Krise abzumildern. Es seien mindestens 10 Millionen Euro nötig, die unbürokratisch als Überbrückungsgeld ausgezahlt werden müssten, sagte IHKN-Tourismus-Sprecher Arno Ulrichs am Montag. Die im Frühjahr geleisteten Zahlungen seien zwar hilfreich gewesen – aber nicht ausreichend. „Die Gelder sind längst aufgebraucht.“ Die Landesregierung hatte unlängst ein Sonderprogramm zur Förderung des Tourismus im Volumen von insgesamt 120 Millionen Euro angekündigt – die konkrete Verteilung der Hilfen ist aber noch offen.

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Bis Ende Mai konnten kleine Unternehmen, Solo-Selbstständige und Freiberufler über die N-Bank aus Bundes- und Landesmitteln Zuschüsse von maximal 25.000 Euro beantragen. Dies hat offenbar bei vielen Firmen die größten Nöte gelindert. Im niedersächsischen Gastgewerbe sieht sich derzeit nur jeder hundertste Betrieb in akuter Insolvenzgefahr, wie aus einer aktuellen IHKN-Umfrage hervorgeht. Der Branchenverband Dehoga erwartet hingegen, dass bundesweit mittelfristig rund ein Drittel der Unternehmen vom Markt verschwinden wird.

Normalisierung frühestens im nächsten Jahr

Trotz der Aufhebungen von Reisebeschränkungen und trotz weiterer Lockerungen blickt die Touristikbranche pessimistisch in die Zukunft. Fast 90 Prozent der Betriebe befürchten, dass sich ihre Geschäfte in der laufenden Saison verschlechtern. Bei den Reiseunternehmen erwarten 80 Prozent einen Umsatzrückgang von mehr als der Hälfte, bei den Gaststätten und Hotels rechnen damit rund 52 Prozent. Eine Rückkehr zur Normalität ihrer Geschäfte halten rund drei Viertel der Betriebe frühestens im nächsten Jahr für möglich – in der Gastronomie glaubt jeder achte Inhaber, dass die guten Zeiten nicht wiederkommen; im Reisegewerbe sieht dies sogar jeder Fünfte der Befragten so.

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Wegen der Abstandsgebote und strenger Corona-Schutzmaßnahmen gebe es weiterhin hohe Umsatzausfälle, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges und fügte an: „Diskotheken und Clubs dürfen nach wie vor nicht öffnen. Ihre Lage ist unverändert verheerend.“ Massiv betroffen seien auch die Stadt- und Tagungshotellerie sowie Caterer, weil Veranstaltungen, Tagungen und Messen ausfallen. Deutlich besser ist hingegen die Lage der Campingplätze, die im Mai als Erste wieder öffnen durften. Mehr als die Hälfte der Betriebe in Niedersachsen rechnet bereits in diesem Jahr mit einer Normalisierung der Geschäfte.

Große Nöte bei Reisebüros

In der Reisebranche ist von Zuversicht noch nichts zu spüren. Die Hälfte der befragten Betriebe kann nach eigener Einschätzung noch länger als ein halbes Jahr durchhalten – jeder sechste gibt sich nur noch ein bis zwei Monate Zeit. Den größten Finanzbedarf hätten Reisebüros, erklärte die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen. Neun von zehn Geschäften hätten bereits in der ersten Runde Soforthilfen beantragt – rund 70 Prozent der Betriebe seien auf weiteres Geld aus der Steuerkasse angewiesen. Mehr als die Hälfte der Reisebüros plant der Umfrage zufolge den Abbau von Stellen.

Von Jens Heitmann

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