Flugzeugbauer

Kommentar zu Airbus: Konkurrent Boeing als warnendes Beispiel

Der Rumpf eines Flugzeugs der A320-Reihe in der Endmontagehalle im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder. Der Konzern will seine Lieferstrukturen neu organisieren.

Vor wenigen Wochen noch war die Erleichterung bei Airbus groß: Anfang März hatte sich das Management mit der IG Metall darauf verständigt, den geplanten Abbau von 6000 Stellen in Deutschland ohne Kündigungen anzugehen. Rund 2300 Mitarbeiter haben den Konzern bereits auf Basis freiwilliger Vereinbarungen verlassen. Mithilfe von Kurzarbeit in diesem und einer Verkürzung der Arbeitszeit bis auf 28 Stunden ab dem nächsten Jahr will Airbus nun die Kosten senken, um die coronabedingte Auftragsflaute zu überstehen.

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Komplexe Struktur beeinträchtigt viele Abläufe 

Die Atempause für die Beschäftigten währte nur kurz. Mit den Plänen für den Umbau der Flugzeugproduktion rüttelt der Vorstand an der Statik des Konzerns. Dass Airbus über eine – gelinde gesagt – komplexe Struktur verfügt und dadurch viele interne Abläufe eher behindert als befördert, würden auch Betriebsräte nicht bestreiten. Aber die Effizienz ist für die Entscheider in dem europäischen Konglomerat eben nicht das einzige Kriterium. Der Rücksichtnahme auf nationale Empfindlichkeiten kommt kaum weniger Bedeutung zu.

Weil Deutsche und Franzosen eifersüchtig über ihre jeweiligen Standorte wachen, droht zuweilen die Gefahr, das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Boeing ist hier ein warnendes Beispiel: Der Konkurrent leidet auch deshalb unter Qualitätsproblemen, weil die Zulieferer rund um den Globus verteilt wurden und so die Kontrolle über elementare Teile der Fertigung verloren gegangen ist. Airbus hat diesen Weg zum Glück nur halbherzig beschritten – ein Kurswechsel sollte deshalb leichter fallen. Dass Kompromisse mit den Arbeitnehmervertretern möglich sind, hat der Konzern erst kürzlich unter Beweis gestellt.

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