RND-Experte warnt: Vorsicht vor diesen falschen Medizin-Versprechen!

Hannover. Wie kann das Coronavirus behandelt werden? Diese Frage stellen sich aktuell viele, so auch unsere Leser. Der RND-Experte Matthias Stoll ist Infektiologe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und gibt Aufschluss über den aktuellen Stand. Dabei gibt er auch einen Esinblick in die Arbeit an der MHH.

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Herr Professor Stoll, was kann ich tun, um am Anfang einer Infektion das Absinken der Viren vom Rachen in die Lunge zu verhindern? Gibt es Medikamente, die das verhindern?

Nein. Ist eine Infektion erst einmal eingetreten, so gibt es keine etablierte Methode, die weitere Ausbreitung im eigenen Körper zu verhindern. Es gibt andererseits allerlei frei verkäufliche und auch apothekenpflichtige Darreichungen, die Ihnen dennoch eine solche Wirkung versprechen. Wenn Ihnen irgendein Anbieter dafür einen wissenschaftlichen Beweis liefern können sollte, wäre ich mehr als überrascht.

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Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer schafft nun auch in Europa Möglichkeiten, um den Wirkstoff Chloroquin zu produzieren. In unserem ersten Gespräch waren Sie noch skeptisch, was die Verwendung des Stoffes angeht. Gibt es inzwischen neue Erkenntnisse zum Einsatz und zur Wirksamkeit von Chloroquin?

Es gibt bisher immer noch keine belastbaren Daten aus kontrollierten Studien. Viele Patienten, meist in sehr fortgeschrittenen Krankheitsstadien, wurden zeitgleich mit mehr als fünf verschiedenen potenziell geeignet erscheinenden Medikamenten behandelt, sodass man daraus vermutlich gar keine Aussagen für die Wirksamkeit von Einzelsubstanzen treffen kann. Es gibt immer wieder begeisterte oder auch kritische Einzelfallberichte oder kleine Fallserien, aus denen man aber keine weiteren wissenschaftlichen Schlüsse für eine Anwendungsempfehlung ziehen kann. Es ist noch zu früh. In wenigen Wochen und Monaten wissen wir sicherlich mehr.

Gerade Chloroquin ist eine Substanz, die in der hohen eingesetzten Dosis sehr häufig – auch schwerwiegende – Nebenwirkungen hat. Sie sollte nur in kontrollierten Studien eingesetzt werden. Als Alternative gibt es zudem auch noch das chemisch eng verwandte und gleichartig wirkende Hydroxychloroquin. Dieses hat im Gegensatz zum älteren Chloroquin bis heute seine Zulassung in Deutschland erhalten und zeichnet sich durch eine bessere Verträglichkeit gegenüber dem Chloroquin aus. Im Rahmen einer multizentrischen klinischen Studie wird bei uns an der MHH das Hydroxychloroquin eingesetzt.

Man muss sich im Bewusstsein halten, dass angesichts der meist gutartigen oder sogar symptomlosen Verläufe jeder unkritische Einsatz von nicht zugelassenen Methoden äußerst bedenklich wäre.

Professor Matthias Stoll

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Wie gehen Sie bei der Behandlung von Intensivpatienten in der MHH vor? Wird dort ein Medikament eingesetzt, das erste Erfolge verzeichnen kann?

Wir setzen verschiedene Substanzen ein, die als erfolgversprechende Kandidaten gelten. Dies geschieht im Rahmen multizentrischer, also an ganz vielen Behandlungszentren zeitgleich und nach gleichem Standard durchgeführter Studien, um rasch gut auswertbare Ergebnisse zu Wirksamkeit und Verträglichkeit zu erhalten. Solche Studien erfordern auch nicht notwendigerweise, dass der Patient bereits auf Intensivstation liegen muss, weil diese ein begründetes Konzept, eine wissenschaftliche Fragestellung und vor allem ein Votum eines unabhängigen Ethikkomitees sowie eine Patientenversicherung haben.

Man muss sich im Bewusstsein halten, dass angesichts der meist gutartigen oder sogar symptomlosen Verläufe jeder unkritische Einsatz von nicht zugelassenen Methoden äußerst bedenklich wäre. Diesem ethischen Grundsatz muss selbstverständlich bei allen unseren Wünschen und Bemühungen zur schnellen Generierung wissenschaftlicher Daten zu neuen Behandlungsmethoden unbedingt Rechnung getragen werden.

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