„Sicherlich vorteilhaft für die Gasspeicher“

Bislang wärmster Oktober? Welche Rolle der Klimawandel spielt

Die Blätter sind schon gelb, die Temperaturen aber nicht besonders herbstlich.

Die Blätter sind schon gelb, die Temperaturen aber nicht besonders herbstlich.

Wer im Zuge des Kälteeinbruchs im September schon eine dicke Jacke, warme Stiefel und einen schicken Schal gekauft hat, dürfte diese Entscheidung vielerorts gerade bereuen – zumindest vorerst. Der Herbst ist in Deutschland bislang verhältnismäßig mild und teilweise sogar warm mit Temperaturen von über 20 Grad Celsius. Vergangene Woche wurde mancherorts sogar die 25-Grad-Marke geknackt, was für Meteorologinnen und Meteorologen als Sommertag gilt. Vorhersagen zufolge wird dieser Trend auch bis Ende des Monats anhalten. Ist das noch normal – oder erneut eine Folge des Klimawandels?

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Rekordtemperaturen: Ausreißer sind nicht untypisch

Früher gab es solche Ausreißer vielleicht alle zehn Jahre, heute kommen sie nahezu jährlich vor.

Andreas Friedrich,

Deutscher Wetterdienst

Zunächst einmal gilt: Wetter ist nicht gleich Klima. Trotz des Klimawandels könnten wir auch einen kalten Oktober haben – das wäre theoretisch zum Beispiel dann der Fall, wenn die Luft aus dem Norden käme. Aktuell führt jedoch die Luft aus dem Südwesten hierzulande zu hohen Temperaturen. „Die sehr warme Luft aus der Sahara kommt über das westliche Mittelmeer, die iberischen Halbinseln und Frankreich zu uns“, sagte Diplommeteorologe Jürgen Schmidt vom Wetterportal „Wetterkontor“ im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auf Korsika wurden am Sonntag beispielsweise über 32 Grad gemessen, im Süden Frankreichs über 30 Grad.

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Vollkommen ungewöhnlich sind Wärmeperioden und Ausreißertage im Oktober auch grundsätzlich nicht. In München betrug die Temperatur im vergangenen Jahr am Tag der Deutschen Einheit beispielsweise 27,5 Grad. Den Oktoberrekord des höchsten Tagesmaximums hält laut des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Stadt Müllheim in Baden-Württemberg mit 30,9 Grad am 7. Oktober 2009. Auch vor Jahrzehnten gab es immer mal wieder Tage im Oktober, die besonders warm waren – doch der Klimawandel ist an den teils milden bis sommerlichen Temperaturen der vergangenen Jahre nicht ganz unschuldig. „Auffällig ist die Häufung eines milden Oktobers. Früher gab es solche Ausreißer vielleicht alle zehn Jahre, heute kommen sie nahezu jährlich vor“, sagte der DWD-Meteorologe Andreas Friedrich dem RND.

Meteorologe: Aktueller Oktober könnte zum wärmsten werden

Im Mittel lag die Temperatur im Oktober in den vergangenen 30 Jahren bei 9,4 Grad, die bisherige Rekord-Durchschnittstemperatur im Oktober bei 12,5 Grad. Die wurde 2001 erreicht. Laut Friedrich teilt sich der diesjährige Oktober aktuell schon den zweiten Platz mit 2006 – die Mitteltemperatur liegt in beiden Fällen bei 12,1 Grad. „Hieran erkennt man, dass alle wärmsten Oktober im aktuellen Jahrtausend liegen. Das ist sicherlich auch ein Ergebnis der Klimalage“, sagt Friedrich. Dass der aktuelle Oktober sogar zum wärmsten wird, sei auch noch möglich. Schließlich sollen die Temperaturen in den letzten Tagen des Monats vielerorts noch mal steigen und teils bei über 20 Grad liegen.

Zu beachten ist auch, dass seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 die Mitteltemperaturen in Deutschland gestiegen sind – und deutlich höher als im weltweiten Durchschnitt. Das vergangene Jahrzehnt (2011 bis 2020) war um 1,9 Grad wärmer als die ersten drei aufgezeichneten Jahrzehnte (1881 bis 1910), wie die Helmholtz-Klima-Initiative berichtet. Vor über 140 Jahren wären die Temperaturen bei gleicher Wetterlage wohl also niedriger gewesen, so Friedrich.

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Gasverbrauch: Temperaturen sind „vorteilhaft“ für Deutschlands Sparziele

Immerhin ist der bislang verhältnismäßig warme Oktober „sicherlich vorteilhaft für die Gasspeicher“, sagt Friedrich. Expertinnen und Experten fordern 20 bis 30 Prozent weniger Gesamtverbrauch, um gut durch den Winter zu kommen. Im vergleichsweise kalten September wurden Zahlen der Europäischen Kommission zufolge nur 7,4 Prozent eingespart. In der dritten Oktoberwoche konnte der Gasverbrauch in Haushalten und kleineren Firmen hierzulande laut der Bundesnetzagentur jedoch um 31 Prozent reduziert werden, eine Woche zuvor um 29 Prozent.

Der Rückgang liegt am relativ warmen Wetter, aber auch an bewussten Einsparungen, wie Netzagentur-Chef Klaus Müller mitteilte. Die Entwicklung sei „ermutigend, so müssen wir weitermachen“, sagte er am vergangenen Donnerstag. In diesen Werten sind jedoch noch nicht Deutschlands 40.000 größte Gasnutzer einbezogen, also vor allem Industriefirmen. Sie benötigen rund 60 Prozent des Gases.

Grund für Entwarnung sind die Erfolge bei den Gaseinsparungen jedoch nicht. Statistiken der Bundesnetzagentur zeigen, dass der Gasverbrauch erfahrungsgemäß im November deutlich steigt. Denn dann sinken die Temperaturen für gewöhnlich so deutlich, dass viele Menschen die Heizung höher stellen. Besonders eisige Temperaturen im Spätherbst und Winter könnten sich zudem noch stärker auf den Gasverbrauch auswirken. Zwar sieht der europäische Klimawandeldienst „Copernicus“ bislang keine Hinweise auf einen eiskalten Winter in seiner saisonalen Prognose, wonach die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen in Mitteleuropa bei 50 bis 60 Prozent liegt. Ganz ausschließen lässt sich ein starker Kälteeinbruch im Winter trotz der Vorausschau jedoch nicht.

Mit Material der dpa

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