Zukunftsforschung: Diese Trends werden 2019 prägen

TGerade junge Menschen sind gegenüber dem digitalen Fortschritt skeptisch, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx.

TGerade junge Menschen sind gegenüber dem digitalen Fortschritt skeptisch, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx.

Herr Horx, als Zukunftsforscher beschäftigen Sie sich mit Trends. Im aktuellen Zukunftsreport 2019 Ihres Instituts ist viel von Gegentrends die Rede. Worum geht es genau?

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Jeder Trend erfährt irgendwann einen Gegentrend – und da stehen wir jetzt. Was wir erleben, ist eine Ära von Gegen-, Retro- und Rebellionstrends. Das heißt, dass sich Gruppen von Menschen den großen Megatrends widersetzen, sie rebellieren dagegen. Ihnen geht es dabei hauptsächlich um gute Werte, die sie durchsetzen wollen.

Welche Werte sind konkret gemeint?

Ein paar Beispiele: Gegen das allmächtige Lärmen des Medialen entwickelt sich eine Sehnsucht nach der Stille. Gegen den grassierenden Individualismus setzt sich die Kooperation durch, das Co-Prinzip. Gegen die Fake-Welt tritt eine Bewegung der radikalen Ehrlichkeit an. Und diametral zur depressiven Grundstimmung entsteht ein neuer Mut zum Mut.

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Sie schreiben auch von einer digitalen Erschöpfung. Woran machen Sie die fest?

Der digitale Fortschritt wird zunehmend weniger als Verheißung empfunden, sondern auch als Überforderung, als Entmenschlichung – als Terror des Klicks. Die Menschen haben das Gefühl, sie werden von außen verrückt gemacht und können sich gar nicht mehr selbst spüren, wie sie wirklich sind. Gerade junge Menschen sind skeptisch. Laut Umfragen finden es mehr als 60 Prozent bedenklich, dass sich die ganze Welt in Nullen und Einsen auflösen lassen soll. Das sieht man auch deutlich daran, dass die Zuwachsraten bei den Sozialen Medien in Industrienationen abnimmt.

Glauben Sie etwa, dass die Computer verschwinden?

Nein. Es geht nicht um Enddigitalisierung, sondern um Post-Digitalisierung. In dieser neuen Phase haben wir eine ernsthafte Auseinandersetzung darüber begonnen, wie wir die Computer gesellschaftlich und individuell zähmen können. Wir sind als Menschen analoge Wesen, zu viel Virtualität macht uns krank. Um die neue Richtung zu bestimmen, brauchen wir einen neuen Kompass, eine neue, aber nicht-technikfeindliche digitale Aufklärung.

Im Zukunftsreport 2019 schreiben Sie auch von einem neuen Space Age, also von der Rückkehr zum Weltraum.

Das meine ich nicht nur technisch. Fünfzig Jahre nach der Mondlandung erwarten wir einen neuen Weltraumhype, der auf Abenteurertum basiert. Plötzlich treten wieder sichtbare Astronauten-Stars auf. Der Space-Sonnyboy Alexander Gerst sendet und twittert von der ISS. Der Kanadier Chris Hadfield spielt Gitarre im Orbit und veröffentlicht Bücher mit Astronauten-Weisheiten. Frauen drängen mit Macht in den Weltraum, wie etwa Suzanna Randall von der neuen deutschen Initiative "Die Astronautin". Visionäre wie Elon Musk planen Reisen zum Mars. Die ersten Touristen starten ins All, wenn auch für irrwitzige Preise. An den Startrampen von Spaxe X wird zum ersten Mal wieder laut gejubelt – wie in den Pionierzeiten des "Space Race". Das heißt: Eine alte Euphorie, eine nicht gestillte Sehnsucht kehrt zurück.

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Laut Ihrer Prognose entwickeln sich auch Legal Highs zum Renner, also psychoaktive Substanzen, die als legale Rauschmittel verkauft werden.

Im Zuge der Globalisierung dringen sie langsam in unsere Gesellschaft ein. Die Motive dafür variieren: Überforderung, Ablenkung, Selbstoptimierung oder spirituelle Entwicklung – für jeden Zweck gibt es inzwischen alte oder neue Drogen, Genussmittel oder Kräuterextrakte. Die sind jederzeit online und in spezialisierten Shops verfügbar. Aber auch sie werden nicht von Dauer sein.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass sich unsere Ängste in positive Ergebnisse verwandeln. Dass wir nicht mehr in Schockstarre geraten, sobald wir mit Extremen konfrontiert werden, nach dem Motto: Da kann man eh nichts machen. Sobald Menschen mit Knappheit oder Verboten konfrontiert werden, blockieren die Leute. So wie mein Nachbar: Seitdem meine Familie einen Tesla fährt, rechnet er mir immer haarklein vor, was es dabei an Negativzahlen gibt. Er bastelt sich seine Welt so zusammen, wie es ihm passt. Soll heißen: Eine Energiewende ist längst am Kommen und machbar – aber wir starren nur auf die Dieselabgase.

Von Sonja Fröhlich/RND

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