Warnung vor Versorgungsmangel

Arzneimittel-Engpässe: Schaumburger Apotheken müssen Herausforderung meistern

Apothekerin Freya Padberg von der Stadthäger Apotheke stellt Medikamente zusammen.

Landkreis. Der Apothekerverband schlägt Alarm. Präsident Thomas Preis hält die Versorgung von einigen Arzneimitteln für gefährdet. Rund 500 Medikamente seien aktuell schwer verfügbar, bei manchen liege sogar ein „Versorgungsmangel“ vor. Damit sei Deutschland schlecht auf den Winter vorbereitet.

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Auch für Schaumburger Apotheken ist es nicht immer möglich, alle Medikamente vorrätig zu haben. Aus Sicht der lokalen Apotheken handelt es sich jedoch um kein akutes Problem.

Langjähriges Problem

„Das ist seit Jahren ein permanentes Thema“, sagt Lisa Kristin Bruns, Apothekerin in der Stadthäger Bären-Apotheke. Neben klassischen Produktions- und Rohstoffengpässen seien manchmal auch kuriose Faktoren für den Mangel verantwortlich.

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Bruns berichtet, dass Diabetesprodukte eine Zeit lang Mangelware waren, weil sie von manchen als Abnehmprodukt zweckentfremdet wurden. Prominentes Beispiel ist dabei die sogenannte „Abnehmspritze“, die vor einiger Zeit heiß diskutiert wurde und das Diabetes-Mittel Semaglutid beinhaltet.

Auch die Flora-Apotheke in Haste kennt Arzneimittel-Engpässe schon seit längerem.

Ein weiteres Beispiel seien Asthmasprays, erklärt Matthias Götzlaff, Inhaber der Haster Flora-Apotheke und Vorstandsmitglied im niedersächsischen Landesapothekerverband. Wegen einer EU-Verordnung dürfen die europäischen Produzenten für die Sprays nicht mehr mit fluorierten Treibhausgasen arbeiten, die jedoch nötig sind, um den Wirkstoff in die Atemwege zu sprühen.

Eine Umstellung auf Alternativen ist zeit- und kostenintensiv, und deshalb müssen die Produkte derzeit aus Nicht-EU-Ländern exportiert werden – wo sie in bewährter Form weiterhin hergestellt werden.

Medikamentenproduktion im Ausland: Ein deutsches Dilemma

„Der Mangel zieht sich aber insgesamt durch viele Wirkstoffgruppen“, so Götzlaff. Wie Bruns berichtet auch er von einer angespannten Situation seit Jahren. Vor allem gesetzliche Krankenkassen hätten ein wirtschaftliches Interesse daran, möglichst wenig für Medikamente auszugeben.

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„Der, der am günstigsten arbeitet, bekommt den Zuschlag“, erklärt der Haster Apotheker. Das führe jedoch dazu, dass die Industrie das Interesse am deutschen Markt verliere, weil es in anderen Ländern mehr zu verdienen gibt. Eine Folge sei auch, dass die Produktion in andere Länder verlegt wird.

Apotheker Dirk Köster von der Bären-Apotheke sucht Medikamente im Warenwirtschaftssystem.

„Jede Apotheke ist verpflichtet, den durchschnittlichen Wochenbedarf vorrätig zu haben“, verrät Götzlaff. Das sei jedoch in der Praxis nicht mehr immer möglich. Und wenn sich dann doch mal die Möglichkeit auftut, dann decken sich die Apotheken auch nicht mit Unmengen ein.

„Es ist unethisch, sein Lager vollzuknallen, weil die Medikamente dann anderswo fehlen können“, weiß auch Cornelius Padberg, Inhaber der Stadthäger Apotheke, Engel-Apotheke Rinteln sowie der Rehrener Apotheke.

Optimismus trotz Engpässen

Dass Kundinnen und Kunden im Winter jedoch ohne Medikamente dastehen könnten, damit rechnet er ebenso wie Götzlaff und Bruns nicht. Das liege auch daran, dass viele Produkte mit dem selben Wirkstoff von mehreren Herstellern produziert werden. „Es gibt eigentlich immer eine Möglichkeit. Im Notfall muss mit dem Arzt eine Alternative gefunden werden“, so Padberg.

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Im letzten Jahr sei die Anzahl der Produkte, die nicht auf Lager waren, zum gleichen Zeitpunkt in Padbergs Apotheken deutlich höher gewesen. Derzeit seien es lediglich etwa 60 Artikel aus allen pharmazeutischen Bereichen, die noch „wünschenswert“ wären. „Ich vermute deshalb, dass es in einigen Monaten nicht schlimmer sein wird als aus den letzten Jahren eh schon bekannt.“

SN