Es sind nicht die Millionenstädte

In diesen Großstädten sind die Menschen am glücklichsten

Der Herkules, eine Kupferstatue, steht im UNESCO-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe vor dem Panorama der Stadt Kassel. Kassel führt das Ranking der glücklichsten Großstädte in Deutschland an.

Geht es nach objektiven Kriterien, müssten die glücklichsten Großstädter Deutschlands eigentlich in München wohnen. Wohlstand, Einkommen, Infrastruktur – gemessen an klassischen Kriterien, liegt die bayerische Landeshauptstadt eigentlich vorn.

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Eine neue Studie, die dem RND vorab exklusiv vorlag, kommt jedoch zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Die Münchnerinnen und Münchner platzieren ihre Stadt in der deutschlandweiten Glücksrangliste der 40 einwohnerstärksten Städte nur auf Rang 24. Ganz vorne liegt dagegen: Kassel.

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Die unerwartete Rangordnung ist das Ergebnis des Städterankings des SKL-Glücksatlas‘, für das zwischen Januar 2021 und April 2024 insgesamt mehr als 25.500 Einwohnerinnen und Einwohner im Alter ab 16 Jahren vom Institut für Demoskopie Allensbach befragt wurden. Ausgewertet wurden die Daten anschließend am Institut für Finanzwissenschaft und Sozialpolitik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Es ist das erste Mal, dass im Rahmen der Studie, die seit 2022 von der SKL als Sponsor begleitet wird, die Zufriedenheit von Menschen in so vielen Städten untersucht wurde.

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Gefragt wurden die Menschen danach, wie zufrieden sie mit ihrem Leben in ihrer Stadt sind. Demgegenüber gestellt wurden 45 Indikatoren etwa aus den Bereichen Wohnen, Kriminalität, Infrastruktur oder Wohlstand, die aus amtlichen Statistiken herangezogen wurden. Anhand dieser wurde ein Ranking nach objektiv messbarer Lebensqualität errechnet. Die Städte, die den daraus resultierenden erwartbaren Rang in der Befragung nach der Zufriedenheit übertroffen haben, sind sogenannte Overperformer. Dazu gehören acht von zehn Großstädten an der Spitze des Rankings.

Grün, familienfreundlich, sicher: Darum sind kleinere Städte glücklicher

Laut Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Freiburg und Leiter der Studie, ist keine der führenden Städte in der Auswertung besonders wohlhabend. Bei Indikatoren wie Einkommen oder Wirtschaftskraft lägen sie nur leicht über dem Durchschnitt. „Vielmehr vereint diese Städte eine eher kleinstädtische und familiäre Atmosphäre, oft ein studentisches Umfeld, außerdem sind sie eher ruhig, besitzen viele Grünflächen und haben eine gute Luftqualität“, so Raffelhüschen.

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Spitzenreiter Kassel etwa liegt bei fast allen dieser Indikatoren nur leicht über dem Durchschnitt aller 40 bewerteten Großstädte. Allerdings: Mehr als die Hälfte der Kasseler (55,3 Prozent) geben an, mit ihrem Leben hochzufrieden zu sein – der Wert liegt im Schnitt nur bei 41,8 Prozent. Dagegen sagen nur 3,5 Prozent der Kasseler, dass sie mit ihrem Leben unzufrieden sind – hier liegt der Schnitt aller 40 Städte mit 10,6 Prozent deutlich höher.

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Underperformer – also die Städte, in denen die Menschen ihre Zufriedenheit deutlich geringer eingeschätzt haben, als es nach objektiven Indikatoren zu erwarten gewesen wäre – finden sich vor allem in der Mitte und am Schluss des Rankings. Besonders deutlich fällt hier der Unterschied nicht nur bei München aus, sondern auch bei Karlsruhe (Rang 39 statt Rang 2), Freiburg (Rang 22 statt Rang 3) oder Braunschweig (Rang 36 statt Rang 8) aus.

Am schlechtesten schneidet Rostock ab, das auf dem letzten Platz landet. Auch die Bundeshauptstadt liegt deutlich hinter den Erwartungen. Berlin gehört mit Rang 37 zu den Städten mit den unzufriedensten Einwohnern.

Mehr Unzufriedene in Metropolen

Woher aber kommen die Unterschiede? Die einwohnerreichen Metropolen haben laut Auswertung mit Problemen wie hoher Kriminalität, sozialer Isolation, überlasteter Infrastruktur und Umweltbelastungen zu kämpfen, in Städten wie Berlin oder München kommt ein schwieriger Wohnungsmarkt hinzu. „Deshalb haben sie tendenziell weniger Hochzufriedene und überdurchschnittlich viele Unzufriedene“, heißt es – eine Ungleichheit, die die kleineren Städte im Ranking so nicht kennen.

Steigern lässt sich die Zufriedenheit demnach mit guter Familien- und Bildungspolitik, gefolgt von guter Gesundheitsversorgung, der Kaufkraft und der Umweltqualität. Weniger Auswirkungen auf das Glück der Einwohnerinnen und Einwohner haben dagegen ein höheres BIP, mehr Kulturangebot oder eine bessere Infrastruktur.