Derby-Blamage für Hannover 96: Keine Mentalität, kein Mut
Was Leidenschaft im Derby bedeutet, bewiesen die Spieler der Eintracht. Jeder Zweikampf wurde geführt, als hätten die Löwen vorher rohes Fleisch gefrühstückt. Und so wurde Hannover verputzt.
96 startete mit einem einzigen Plan ins Spiel: Lang auf Thaddäus Momuluh – und dann mal schau‘n. Das ist zu viel Last für den jungen Mann, der lange Zeit nicht einmal zum Kader gehörte. Mit Ausnahme von Torwart Ron-Robert Zieler wehrte sich ansonsten kein 96-Profi gegen diese hungrigen Braunschweiger Löwen.
Weder der sandige Platz noch die fehlende Stimmung im Gästeblock können eine Entschuldigung sein für diesen blamablen Derbyauftritt. Es erinnerte so vieles an das 0:3 vor zehn Jahren. Der desolate Auftritt ist noch weniger erklärbar, weil 96 als klarer Favorit ins Spiel gegangen war. Trainer Stefan Leitl hatte alles getan, um sowohl die Wichtigkeit des Spiels (“Wir müssen gewinnen“) als auch den Blick auf den Aufstiegskampf (“Plätze eins oder zwei“) zu richten. Aber die Appelle des Trainers und der Fans kamen bei der Mannschaft nicht an.
Der Stimmung nach zu urteilen, könnte 96 die Saison jetzt schon abpfeifen. Geht natürlich nicht, auch wenn in Hannover zurzeit fast jedem danach wäre. Was bleibt, ist eine klare interne Analyse. Ob die Spieler mit dem Trainer reif sind für eine gute Saison oder einfach nur satt als Zweitligaspieler in einem traditionellen Club.
Die Diskussion um Stefan Leitl wird nach dem verlorenen Spiel neu beginnen. Und das verlorene Derby wird lange in den Spielerkleidern hängen. In der langen Länderspielpause haben Trainer und Spieler die Gelegenheit, die beschmutzte Wäsche zu waschen. So wie es in Braunschweig lief, geht es jedenfalls nicht weiter – so ganz ohne Mut und Mentalität für eines der wichtigsten Spiele des Jahres. Dass es so ausgehen würde, hätten nicht einmal die schärfsten Kritiker gedacht.