Das große Bangen: Für diese Topstars ist die WM gefährdet
Hannover. Das Lazarett vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 (11. Juni bis 19. Juli) ist binnen weniger Tage weiter gewachsen. Beim Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Bayern (5:4) erwischte es Achraf Hakimi von Paris Saint-Germain, was die Freude über den spektakulären Sieg beim Titelverteidiger der Königsklasse trübte. Der Außenverteidiger fehlt dem französischen Starensemble „mehrere Wochen“, so die offizielle Prognose von PSG nach der Oberschenkelverletzung des Ex-Dortmunders.
Sorgen macht sich daher auch Marokko, der WM-Halbfinalist von 2022. Bei der Nationalelf zählt Hakimi ebenso wie bei seinem Klub zu den Leistungsträgern. Mit derlei Sorgen sind die Nordafrikaner in bester Gesellschaft. Denn auch weitere Nationen bangen darum, ob einige ihrer Topstars rechtzeitig fit werden. Ein Überblick:
Kai Havertz (Deutschland)
Im zweiten Halbfinale der Champions League fehlte der 26 Jahre alte DFB-Profi im Aufgebot des FC Arsenal. Beim Ligaspiel gegen Newcastle (1:0) musste Havertz vor der Halbzeit von Trainer Mikel Arteta ausgewechselt werden, verpasste damit das 1:1 bei Atlético am Mittwochabend. Schmerzen in der Leiste sollen ihm zu schaffen machen.
Im März war der unter Bundestrainer Julian Nagelsmann gesetzte Stürmer in die deutsche Auswahl zurückgekehrt, hatte vorher anderthalb Jahre lang wegen einer Knieverletzung kein Länderspiel bestritten. Jetzt wackelt die WM. Arteta meinte: „Ich weiß nicht, wie ernst es ist.“ Auch ein Grund, weshalb sich Nagelsmann mehr Zeit nimmt: Die Kaderbekanntgabe legte er vom 12. auf den 21. Mai.
Kylian Mbappé (Frankreich)
Der Einsatz im Clásico gegen den FC Barcelona ist ausgeschlossen, aber auch eine Teilnahme an der WM im Sommer? Das Duell, in dem es für Real Madrid am 10. Mai mehr um die Ehre als um die Rest-Chance auf die Meisterschaft in Spanien geht, dürfte Mbappé verpassen. Die spanische Presse mutmaßt ein Saison-Aus des Weltmeisters von 2018.
Es wurde „eine Verletzung des Halbsehnenmuskels im linken Bein diagnostiziert“, verkündete Real. Bis zur WM hat der französische Stürmerstar noch ausreichend Zeit. Eine Prognose, so heißt es, lässt sich dennoch schwer treffen. Dabei hat Mbappé große Ziele für das XXL-Turnier in Nordamerika, wo er mit vier Toren zum bisherigen WM-Rekordtorschützen Miroslav Klose (16 Treffer) aufschließen könnte.
Lamine Yamal (Spanien)
Am Mittwochabend der vergangenen Woche wurde ein verwandelter Elfmeter zum Schmerzpunkt für den 18-Jährigen des FC Barcelona. Der spanische Europameister von 2024 fasste sich unmittelbar nach seinem 1:0-Siegtreffer gegen Celta Vigo an den Oberschenkel. „Das ist nicht das Ende, sondern nur eine Pause. Ich werde stärker und motivierter denn je zurückkommen“, schrieb Yamal danach in den sozialen Medien.
Um mit dem Tabellenführer die spanische Meisterschaft perfekt zu machen, wird die Rückkehr zu spät kommen. Doch für die WM setzt Spanien große Hoffnungen auf eine rechtzeitige Genesung. „Lamine Yamal wird für den Rest der Saison ausfallen, soll aber für die Weltmeisterschaft wieder einsatzbereit sein“, hieß es von seinem katalanischen Klub. In welchem gesundheitlichen Zustand er sich bis dahin zurückmeldet? Unklar.
Luka Modrić (Kroatien)
Vizeweltmeister 2018, Dritter vor vier Jahren – die beeindruckenden WM-Ergebnisse der kroatischen Nationalelf sind eng verknüpft mit dem Kapitän, der auch im Alter von 40 Jahren noch nicht genug hat. Rekordnationalspieler Modrić sammelte in 13 Jahren mit Real insgesamt sechs Champions-League-Titel und vier Meisterschaften, ging dann vor dieser Saison weiter zur AC Milan, wo er gesetzt ist.
„Ich bin zuversichtlich, dass die Genesung planmäßig verläuft und Luka uns als Kapitän bei einem weiteren großen Turnier im Sommer anführen wird.“
Zlatko Dalić, Nationaltrainer Kroatiens
Dann aber der Schock: Im Spiel gegen Juventus Turin (0:0) zog sich der Oldie einen Jochbeinbruch zu, der operiert werden musste. Sein Nationaltrainer Zlatko Dalić ist dennoch „zuversichtlich, dass die Genesung planmäßig verläuft und Luka uns als Kapitän bei einem weiteren großen Turnier im Sommer anführen wird“. Es wäre seine fünfte WM-Teilnahme, er könnte dann außerdem die Schallmauer von 200 Länderspielen knacken.
Arda Güler (Türkei)
Mit großen Erwartungen geht die Türkei in ihre insgesamt dritte WM, es ist die erste Teilnahme seit dem dritten Platz 2002. Doch kann Jungstar Güler mitmischen? Das Saison-Aus in Madrid steht fest, weil der 21-Jährige an einer Muskelverletzung im rechten Bein laboriert. „Die Entwicklung wird beobachtet“, schrieb der Klub.
Mancher WM-Traum schon geplatzt
Während sich die Lage etwa bei Deutschlands Hoffnungsträger Jamal Musiala entspannt hat, werden sich viele Fragezeichen wohl erst kurz vor dem Turnier klären.
Für andere Spieler ist der WM-Traum hingegen schon geplatzt, etwa für die zwei Ex-Bundesliga-Profis Hugo Ekitiké (Frankreich/Achillessehnenriss) und Xavi Simons (Niederlande/Kreuzbandriss) sowie Rodrygo (Brasilien/Kreuzbandriss). Gleiches gilt für Musialas Teamkollege Serge Gnabry, der im Klub und in der DFB-Elf in den vergangenen Monaten richtig in Fahrt gekommen war. Doch er wird erneut ein großes Turnier - wie schon die WM 2018 und die Heim-EM 2024 - unfreiwillig verpassen – Gnabry zog sich jüngst eine Adduktorenverletzung zu.