Strecke Hamburg-Berlin: Probleme noch zweieinhalb Monate nach Sanierung – aber auch anderswo
Die Bahn kommt in diesem Sommer nicht raus aus dem Krisenmodus: Rekordtemperaturen bremsen Züge aus, weil Weichen und Signale versagen. Und nach den Korridorsanierungen der viel befahrenen Strecken Berlin–Hamburg sowie Köln–Wuppertal laufen die Neustarts nur rumpelnd.
Auch zweieinhalb Monate nach der offiziellen Wiedereröffnung sind zwischen Hamburg und Berlin noch Nachbesserungen und Endabnahmen nötig – unter anderem, weil für Letzteres spezialisiertes Personal fehlt. Zuletzt mussten die Fernzüge auf dem Abschnitt zwischen Neustadt (Dosse) und Friesack langsam fahren. Die Störungskarte der Deutschen Bahn nannte einen „Gleislagefehler“ als Grund.
3150 Verspätungen seit Wiedereröffnung der Strecke
Seit der Freigabe der sanierten Strecke hat die Bahn 3150 Verspätungen aufgelistet. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der beiden Grünen-Bundestagsabgeordneten Linda Heitmann und Katharina Beck hervor. In 219 Fällen kamen Züge demnach sogar mit mehr als 90 Minuten Verspätung an. Acht Minuten Verspätung hatte die Bahn nach der Wiedereröffnung bereits vorsorglich eingerechnet. Der Grund: Zwei Stellwerke wurden nicht fertig, und statt Höchsttempo 230 sind bis dahin nur 160 Kilometer pro Stunde möglich.
Die Folgen verschleppter oder unvollständiger Sanierungen sind immer wieder auch deutschlandweit zu spüren: Am Mittwoch kam es auf der Strecke Berlin–Wolfsburg wegen einer Reparatur zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen – betroffen waren Züge ins Ruhrgebiet, nach Frankfurt (Main), Stuttgart und in die Schweiz. Und auch die im Sommer erst fertig sanierte Strecke Köln–Wuppertal verursacht weiterhin Probleme – aktuell wegen Brückenschäden.
Wie die Bahn Weichen, Brücken und Signale vor Sabotage schützt
Bahnchefin Evelyn Palla hat bereits angekündigt, das aktuelle Konzept der Korridorsanierungen zu überprüfen und die Zahl der jährlich geplanten Sanierungen möglicherweise zu verringern. Sie kommt damit einer Aufforderung von Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nach.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Angesichts zunehmender Angriffe auf die kritische Infrastruktur Deutschlands braucht auch das Schienennetz Aufmerksamkeit und Schutz. Ist das gewährleistet? „Sicherheit ist für die Deutsche Bahn das oberste Gebot“, betont eine DB‑Sprecherin, ohne Details nennen zu wollen. Auch der Schutz von Gleisen, Bahnhöfen und Weichen, von Signalen, Brücken oder Rangieranlagen gehöre dazu. Die Bahn arbeite dabei eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen.
Für die Woche nach der Wahl in Sachsen-Anhalt haben Linksextreme zu einer „Aktionswoche gegen den Staat“ aufgerufen und dabei auch zivile Infrastruktur als mögliche Ziele genannt.