Tchibo fordert Regulierung für faire Löhne in Einkaufsländern

Mitarbeiterinnen eine Textilfabrik in Äthiopien

Hamburg. Der Tchibo-Konzern will sich zum Schutz der Beschäftigten in den Schwellenländern für mehr staatliche Regulierung einsetzen. „Freiwillige Initiativen reichen nicht“, sagte Nanda Bergstein, Tchibo-Direktorin für Unternehmensverantwortung, am Mittwoch in Berlin. „Wenn wir jetzt gemeinsam keine höheren Löhne durchsetzen, bleibt ‚fair fashion’ eine Illusion.“

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Tchibo verfolge seit 13 Jahren das strategische Ziel, ein zu 100 Prozent nachhaltig arbeitendes Unternehmen zu werden: „Wir wollen und wir werden weiter investieren, aber wir stehen heute an einer Schwelle, an der wir unsere Investments in Nachhaltigkeit nicht weiter nennenswert steigern können, ohne unsere Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden“, sagte Bergstein. Die Probleme seien so global und komplex, dass sie nur von allen Beteiligten gemeinsam gelöst werden könnten.

Ein Beispiel sei die Initiative „ACT on Living Wage“, die sich dafür einsetzt, existenzsichernde Löhne zu gewährleisten und dringend regulatorische Unterstützung brauche. Als Beispiel nannte Bergstein Kambodscha: Dort verhandeln 21 Textilmarken mit Regierung und Arbeitgebern über Tarifverhandlungen, um die Löhne anzuheben. Die Unternehmen stehen für die Hälfte der kambodschanischen Textilproduktion. Doch die Regierung sei besorgt, dass die andere Hälfte bei höheren Löhnen aus dem Markt abwandert und so die Wettbewerbsfähigkeit Kambodschas geschwächt werde.

Bergstein fordert daher, dass die Regierungen der Abnehmerländer die Lieferländer öffentlich unmissverständlich unterstützen und selbst alle eigenen Marktteilnehmer verpflichten, an der Initiative teilzunehmen. Tchibo-Chef Thomas Linemayr will die Problematik am Mittwoch in Berlin mit Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und anderen Experten öffentlich diskutieren.

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Von RND/dpa