55.000 Privatjetstarts in Deutschland

Zahlt den Preis für euren Klima-Fußabdruck

Cessna 172 landet auf dem Flugplatz Borkenberge bei tierstehender Sonne.

Manche Zahlen muss man zweimal lesen, um sie zu glauben: Aber tatsächlich ist es so, dass Privatjets im vergangenen Jahr weltweit in nur zwei Sekunden mehr CO₂ verursacht haben als ein Mensch aus den ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung im gesamten Jahr. Diese Zahlen hat Oxfam nun kurz vor der nächsten Weltklimakonferenz veröffentlicht. Und sie hinterlassen Eindruck – angesichts des fürs Erste nicht mehr zu erreichenden 1,5 Grad-Ziels umso mehr.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wer bei Privatfliegern nun vor allem an Öl-Magnaten oder vielleicht auch den US-Präsidenten denkt, liegt nicht falsch. Auch an deutschen Flughäfen starteten 2025 mehr als 55.000 Privatjets, die insgesamt über 182.000 Tonnen CO₂ ausstießen: In weniger als einer halben Stunde war das mehr als ein Durchschnittsbürger in Deutschland im gesamten Jahr produziert. Und zu diesen Durchschnittsbürgern zählen durchaus auch diejenigen, die im Sommer für den Familienurlaub einen Flieger gen Süden buchen – und das teils schon mit latent schlechtem Gewissen.

Das Verursacherprinzip ist gerecht

Auch der Bundeskanzler hat ein kleines Privatflugzeug. Und privat zu fliegen, sollte auch kein Problem sein – wenn es denn eine emissionsfreie Antriebsmöglichkeit gäbe, eine Abgabe oder Kerosin-Besteuerung für den hohen Treibhausgasausstoß. Denn diesen Preis muss schließlich jemand zahlen. Derzeit sind das jedoch vor allem arme Länder der südlichen Hemisphäre, die selbst wenig Klimagase ausstoßen und zugleich kaum Geld für Schutzmaßnahmen haben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dieses Missverhältnis beim Thema Klimagerechtigkeit steht auch in knapp zwei Wochen wieder auf der Agenda, wenn im türkischen Antalya die nächste Weltklimakonferenz beginnt. Dort wird es nicht nur erneut um Ansätze gehen, die Erderwärmung perspektivisch auf den 1,5 Grad-Pfad zurückzubringen. Vor allem ist auch weiterhin wichtig, arme Länder beim Schutz vor den Folgen des Klimawandels, den sie selbst nicht verursacht haben, zu unterstützen.

Das Versprechen halten, bitte

Das 100-Milliarden-Dollar-Ziel ist dafür ein internationales Versprechen der Industrieländer: Seit 2020 gilt es, jährlich 100 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern bei Klimaschutz und Klimaanpassung zu mobilisieren. Aber diese Unterstützung vonseiten der reichen Staaten wackelt und kommt oft nur noch über Kredite.

Deshalb ergibt es Sinn, diejenigen stärker heranzuziehen, die den Klimawandel überdurchschnittlich stark anfeuern. Und das tun die Reichsten nicht nur durch Privatflüge, sondern oft auch durch umfangreiche Investitionen in fossile Sektoren wie Öl, Gas oder Chemie. Bei den 49 Deutschen unter den etwa 1.000 Milliardären weltweit lagen die Emissionen durch solche Investitionen im Schnitt sogar weit über dem internationalen Durchschnitt, errechnete Oxfam.

Warum keine First-Class-Abgabe?

Mit Blick aufs Fliegen gibt es zudem weitere Möglichkeiten der Kompensation – denn auch First- oder Business-Class-Passagiere generieren durch den größeren Platzverbrauch hohe Emissionen. Eine Extraabgabe könnte das auffangen. Schmerzen würde es die Betroffenen vermutlich nicht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Diese Idee wurde im vergangenen Jahr auf der Weltklimakonferenz sogar vorgestellt: Frankreich, Spanien und sieben weitere Staaten hatten damals für eine Sonderabgabe für Privatflieger, First- und Business-Class-Passagiere geworben. Dieses Geld sollte in den Klimaschutz fließen. „Wer mehr verschmutzt, sollte auch mehr beitragen“, forderte die spanische Botschafterin im brasilianischen Belém. Das CDU-geführte Verkehrsministerium winkte jedoch ab.

Verwandte Themen