Wennigsen

Steingärten: Wennigser Nabu wünscht sich schärfere Vorschriften

Kein Platz für Insekten: In den ersten Kommunen sind Steingärten bereits verboten. Wennigsens Nabu-Chef Gerhard Krick würde sich auch in Wennigsen schärfe Vorschriften wünschen.

Wennigsen. Weiße Flusskiesel, geschliffener Granit, grauer Betonstein: Steingärten sind ein Trend, den der Vorsitzende vom Wennigser Naturschutzbund (Nabu), Gerhard Krick, überhaupt nicht mag. „Wenn ich durch den Ort gehe, sehe ich immer öfter Kies. Es ist schlimm“, sagt er. Während die Befürworter von Steingärten von modern und pflegeleicht sprechen, sind diese schrecklich sterilen grauen Steinwüsten in den Vorgärten für Natur- und Umweltschützer wie Krick ein Graus. Auch die Artenvielfalt leide, sagt Krick.

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Steingärten enthalten wenig oder gar keine Pflanzen. Häufig werden zudem Neophyten – Pflanzen, eingeschleppt aus fremden Regionen – gepflanzt, die sich außerhalb des Gartens ausbreiten und die heimischen Pflanzen verdrängen und den Tieren kaum Nahrung bieten. Zudem würden die Steine meist nicht aus Steinbrüchen in der Gegend, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit überwiegend aus China oder Indien stammen, sagt Krick.

Steingärten in ersten Kommunen bereits verboten

Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen hätten eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt. Sie würden ökologische Trittsteine bilden für Vögel und Insekten, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern, sagt Krick. Grünflächen liefern saubere und frische Luft. Kies und Steinflächen hingegen heizen sich stärker auf, speichern Wärme und strahlen sie wieder ab.

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Weil Steingärten der Umwelt schaden, verbieten bereits erste Kommunen sie in neuen Baugebieten. Wennigsens Nabu-Vorsitzender Krick denkt in eine ähnliche Richtung und würde sich auch in der Gemeinde schärfere Vorschriften wünschen. Er denkt etwa an das neue Bredenbecker Baugebiet Im Bergfelde, für das der Rat am 21. März den Aufstellungsbeschluss fassen soll. Am 14. März befasst sich zunächst der Bauausschuss mit dem Baugebiet. Einen richtigen Antrag dürfe er als beratendes Mitglied in den Ausschuss zwar nicht einbringen, sagt Krick. „Aber ich kann einen Vorstoß machen.“

Bienenweide: Blütenreiche Stauden sichern die Ernährung von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen.

Immerhin: Schon jetzt besteht das Umweltamt der Gemeinde darauf, in Bebauungsplänen die Begrünung ein Stück weit zu regeln. In den neueren Bebauungsplänen ab etwa 2005 seien textliche Festsetzungen zu Anpflanzungen enthalten, sagt Gemeindemitarbeiterin Claudia Albrecht vom Fachbereich Bau und Umwelt.

Festgelegt sei oft eine prozentuale Grundstücksfläche, die mit standortheimischen Laubsträuchern zu bepflanzen ist. Eine solche Festsetzung findet sich auch für das aktuelle Baugebiet im Nehrenfelde in Evestorf, das sich gerade in der Bauleitplanung befindet. In diesem neuen Wohngebiet müssen „mindestens 15 Prozent der Grundstücksfläche mit Obstbäumen und standortgerechten, heimischen Laubsträuchern“ bepflanzt werden. Eine Liste mit Bäumen und Sträuchern, die geeignet sind, ist dem Bebauungsplan beigefügt.

Sind Steingärten wirklich pflegeleichter?

Wer seinen Garten mit Steinen abdeckt und ein Vlies unter die Steinschicht legt, erwartet wenig Arbeit, da Rasenmähen, Gießen und Unkraut jäten wegfallen sollen. Doch auch im Steingarten gebe es immer etwas zu tun, sagt Krick. Blätter fallen auf die steinernen Flächen und müssen abgesammelt werden, weil sich sonst in den Steinfugen Gräser ansiedeln. Auf den Steinen bildet sich Moos, wenn sie nicht regelmäßig saubergemacht werden.

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Ein naturnaher Garten würde genauso viel oder wenig Arbeit machen, sagt Krick. Außerdem locken sie Schmetterlinge, Hummeln und Vögel in den Garten. „Wer seinen Garten standortgerecht plant, schafft ein Stück Natur und trägt zur Artenvielfalt bei“, sagt Krick.

Die neuen Blühinseln sind eingesät

Bald summt und brummt es am Wennigser Mühlbach: Auf insgesamt knapp 300 Quadratmetern legt der Naturschutzbund (Nabu) bei der Knölke-Brücke Blühinseln an. Im November hatten Mitarbeiter vom Wennigser Garten- und Landschaftsbauunternehmen Georg Franz das Gelände vorbereitet und die Grasnarbe abgeschält. Etwa vor einer Woche wurde nun eingesät. In die Erde gekommen ist eine zertifizierte und regionale Blumenwiesen-Mischung. Die Blüten der Pflanzen sollen Nahrung für Wildbienen und Schmetterlinge bieten.

Die Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung unterstützt das Projekt mit 3400 Euro. Dort, wo die Blühinseln entstehen, hat der Nabu eine Tafel aufgestellt. Die Wennigser Naturschützer würden sich wünschen, dass Gartenbesitzer es nachmachen und auch bei sich eine Blütenmischung, die Insekten mögen, aussäen.

Die Gemeinde geht längst mit gutem Beispiel voran und hat eine eigene, spezielle Saatgutmischung aus 28 Blumenarten zusammenstellen lassen. „Wennigser Bienenliebe“ steht auf den weiß-grünen Tütchen, die kostenlos abgegeben werden. Außerdem hat der Bauhof die ersten Blühstreifen angelegt an Straßenrändern, Ortseingängen und auf anderen öffentlichen Grünflächen. Eingesät wurden Flächen bei der Turnhalle Im Lindenfelde, beim S-Bahnhof am Heisterweg, an der Hauptstraße an der Ecke zur L391, bei der Buswendeschleife der KGS, vorm Baufhof, am Bredenbecker Wanderweg Bachwinkel und bei der Verkehrsinsel in Steinkrug.

Vor gut einem Jahr hatte es dazu einen Ratsbeschluss gegeben. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sagt Wennigsens Nabu-Chef Gerhard Krick.

Von Jennifer Krebs