Filetstück sucht Käufer: So stehen die Chancen
Bad Eilsen (tw). Eigentümer Wolfgang Joest hat „Die Immobilien-Galerie“ mit Sitz in Bückeburg beauftragt, für das Ganze einen Mieter oder Käufer zu finden.
Da Eigentümer und Makler glauben, dass die Karte „Mieten“ eher als die Karte „Kaufen“ sticht, haben sie bislang nur den Mietpreis öffentlich gemacht. Die Kaltmiete würde demnach 2900 respektive 3660 Euro betragen – je nachdem, ob ein Pächter nur den Markt oder aber Markt und Apotheke zusammen will. Die 56 Pkw-Stellplätze sind im Preis mit drin.
Doch die Resonanz auf das Angebot, das mittels einer Reklametafel am Objekt selbst sowie auch im Internet öffentlich gemacht wird, ist derzeit eher „mäßig“, wie Joachim Scheffler auf Nachfrage berichtet. Nach Dafürhalten des Diplom-Betriebswirts und Maklers liegt das jedoch nicht am Gebäude, sondern am Umfeld. „Die Samtgemeinde mit 7000 Einwohnern wird von den Filialbetrieben, die ich bereits angesprochen habe, leider als zu klein empfunden“, bedauert Scheffler das Abwinken der Filialisten in Sachen „Markant“. Ihr Interesse gelte Standorten in Kommunen ab 10000 Einwohnern.
Dabei wird der Makler nicht müde, die Pluspunkte der Joest-Immobilien zu betonen – und die gibt’s reichlich: „Die Lage direkt an der L451 im Zentrum des Kurortes ist klasse. Wer immer sich dort ansiedelt, wird aus den vielen vorbeifahrenden Fahrzeugen heraus fast zwangsläufig wahrgenommen.“ Außerdem könnten die Bad Eilser Immobilien sofort übernommen werden, und es sei „nur wenig Eigenkapital“ von Nöten.
Dies vor Augen, will Scheffler jetzt noch einmal Lebensmittel-Discounter wie zum Beispiel „Aldi“ und „Lidl“ ansprechen. „Die Nähe zu ‚Netto‘ in Klein Eilsen und ‚Penny‘ in Luhden stört diese Mitbewerber in der Regel nicht“, weiß Scheffler aus Erfahrung. Für diese Discounter würden allerdings nur ein Abriss der Immobilien und ein Neubau nach eigenem Marktkonzept infrage kommen.
„Ich habe die Objekte auch einem Facharzt und diversen Apothekern angeboten, habe ferner eruiert, ob es Interessenten gibt, die in Bad Eilsen einen Getränkemarkt oder ein Fitnessstudio eröffnen wollen“, sagt Scheffler. Doch auch diese Anfragen seien negativ beschieden worden – nicht zuletzt mit Hinweis auf die Nähe solcher bereits vorhandenen Angebote in Städten wie Bückeburg, Obernkirchen und Rinteln.
Der Makler: „Es gibt zwar immer wieder Firmen wie etwa Schlüsseldienste, die sich für einen Shop-im-Shop im ‚Markant‘ interessieren.“ Doch solche Engagements seien nur sinnvoll, wenn es im Gebäude einen starken Ankermieter gebe – und an dem fehlt es. Dabei würde ein Ankermieter in Bad Eilsen eine ausreichend große Betriebsfläche vorfinden; erst recht dann, wenn er die Wand von „Markant“ zur angrenzenden Apotheke durchbrechen und dann sogar 732 Quadratmeter sein Eigen nennen könne.
Scheffler betont: „Die Substanz des Ende der siebziger Jahre errichteten Marktes, der Mitte der achtziger Jahre umgebaut wurde, ist noch immer gut.“ Zwar handle es sich nur um einen vergleichsweise einfachen und nicht unterkellerten Baukörper, aber das Dach sei dicht, und der Klinkerfassade könne der Zahn der Zeit keinen Abbruch tun. Lieferverkehr könne mit Fahrzeugen in Sprinter-Größe einmal rund ums Gebäude fahren. „Lediglich an der Haustechnik“, so Scheffler, „sind Kleinigkeiten zu machen.“
Wovon sich der Makler jetzt am meisten verspricht, das sind die Nachbarn im Umfeld der beiden Immobilien: Senioren-Residenzen, Kirchen, Kindergärten und soziale Einrichtungen wie die Arbeiterwohlfahrt. „Die“, sagt Scheffler, „werde ich als Nächstes kontaktieren.“
Eben diese mögliche Klientel ist auch die, auf die auch Joest am meisten setzt. „An einen Discounter wie ‚Aldi‘ vermag ich nicht recht zu glauben“, so der „Markant“-Eigentümer gestern. „Aldi“ gehe zwar auch in Kommunen mit weit weniger als 10000 Einwohnern, aber: „Benötigt wird in der Regel ein Minimum von etwa 80 Parkplätzen – die haben wir nicht.“
Zur Erinnerung: Joest hatte das Grundstück samt Immobilien am 3. April 2009 von der Familie Rinne erworben. Er wollte anstelle des Marktes zunächst ein Gesundheitszentrum errichten. Dieser Plan scheiterte jedoch an externen Widerständen. Darauf hin wollte der Bad Eilser anstelle des Markant-Marktes ab Mai 2010 ein Center bauen – mit einem Drogisten als Ankermieter sowie einer Apotheke nebst einer Bäckerei und einem Blumenladen.
Der Bad Eilser Rat stellte Ende Dezember 2009 auch die Weichen für das Projekt, sagte Ja zum Ändern des B-Plans im Sinne von Joest. Das nicht zuletzt, weil Planer Matthias Reinold (Rinteln) kein Problem damit hatte, den Plan von einem allgemeinen Wohngebiet in ein Mischgebiet umzuschreiben. Im Gegenteil: „Das Umnutzen der Marktfläche eröffnet Bad Eilsen eine große Entwicklungschance, noch dazu an zentraler Stelle“, so Reinold damals.
Was Behörden wie die IHK Hannover der Gemeinde und damit auch dem Investor aber auferlegten: „Innerhalb des Mischgebietes sollen nur Nutzungen zugelassen werden, die aufgrund von Größe, Bauvolumen, Nutzungsvielfalt, Sortimentsstruktur und Immissionsverhalten mit den angrenzenden allgemeinen Wohngebieten einerseits und mit der in Bad Eilsen vorhandenen Einzelhandelsstruktur andererseits vereinbar sind und diese möglichst ergänzen.“
Was die IHK und der Landkreis vermieden wissen wollten: großflächige Einzelhandelsbetriebe, die wegen des Kundenverkehrs zu Konflikten mit den Wohngebieten in der Nachbarschaft führen würden. Anders ausgedrückt: „Betriebe mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sind im Umfeld des ‚Markant‘-Marktes nicht zulässig“, so Reinold damals.
Die Ernüchterung kam dann im Frühjahr 2010: „Mein Center lässt sich nicht realisieren“, berichtete Joest. „Es rechnet sich nicht.“ Der Bad Eilser, der in den Neubau bis zu zwei Millionen Euro investieren wollte, hatte mit Ausnahme des Drogisten keine Mieter gefunden. Auch der besagte Drogist war vom Vertrag zurückgetreten. Anfang 2010 ließ Joest das Geschäftshaus am Rande des Geländes, Sitz von Reisebüro und Reinigung, abreißen. Die Mieten deckten nicht die laufenden Kosten – von denen für Instandsetzungsarbeiten ganz zu schweigen.
SN